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Musiktherapie

„Ich kann aber kein Instrument spielen und musikalisch bin ich so wie so nicht“, diesen Satz bekomme ich sehr oft bei meiner Arbeit im Krankenhaus zu hören. Leider wird in unseren Breitengraden oft musikalisch mit musikalischer Bildung oder dem Spielen eines Instrumentes verwechselt. Jeder der gerne Musik hört ist musikalisch. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle musikalisch sind, weil das zu unserer Natur gehört.

Bei der Musiktherapie muss man weder etwas können noch den leisesten Hauch einer Ahnung von Musik haben. Die Musiktherapie ist eine Therapieform die sich die Musik zur Hilfe nimmt. Letzten Endes berührt uns doch alle Musik, den einen ein klassisches Stück von Mozart, die andere ein Stück der Technoscene mit ihrem durchdringenden Beat.

Die Musiktherapie kennt zwei Formen, die aktive und die rezeptive Musiktherapie. Bei der aktiven Musiktherapie wird versucht mit der Musik, sei es hörend, spielend oder singend, je nach dem, worin der Klient Zugang hat, Gefühle an die Oberfläche zu transportieren. Oft finde ich sogar, dass dort wo das Gespräch in der Gesprächstherapie am Ende ist,  Musik die Türen öffnen kann. Bei der rezeptiven Musiktherapie wird für den Klienten Musik gemacht um ihn zu stärken und zu nähren. Diese Form wende ich zum Beispiel bei meinen Klangmassagen an. Wenn man gezielt mit bestimmten Instrumenten und Gesang für einen Menschen musiziert kann dieser oft sehr tief entspannen und ich bin sogar der Meinung „Heilung erfahren“.

Möglichkeiten der Musiktherapie

  • Sie kann Dinge lösen, ohne dass man unbedingt darüber sprechen muss. In der Paartherapie bringen einfache Trommelspiele doch so manch festgefahrene Muster eines Paares zu Tage.
  • Eine Klientin weiß nicht wie es beruflich mit ihr weiter gehen soll. Für jede Möglichkeit wählt sie ein Instrument und für die Idee, an die sie noch gar nicht gedacht hat, eine Rassel und siehe da, am Ende der Sitzung wusste die Klientin wie es beruflich weiter gehen sollte und kam auf eine neue Idee, auf die sie so nicht gekommen wäre.
  • Ein Gefühl ist in jemanden, das er nicht einordnen kann. Nach nur kurzer Zeit auf dem Monochord (ein Instrument mit lauter gleich gestimmten Saiten)  gespielt und er hat die Antwort.
  • Ich persönlich habe schon viele Therapieformen kennen gelernt und habe für mich festgestellt, die Musiktherapie kommt wirklich am schnellsten zu den Gefühlen. Aber natürlich ist das meine eigene Erfahrung und die kann ja bekanntlich bei jedem anders sein. Aber ausprobieren lohnt sich.
Björn Schulze